Roter Stern II - DJK: Halbherzige Freude nach dem ersten Sieg

In einem zerfahrenen Spiel setzt sich die zweite Mannschaft vom Roten Stern knapp gegen DJK durch - mit Glück, Kampf und einem Trainer, der dem Wahnsinn hoffentlich ein Schnippchen schlagen kann.

files/Vereinslogos/DJK_Luebeck.pngParalysiert war RSL-Trainer Detlev Reiß nach dem Spiel. Vermutlich wogten zwei Seelen, ach, in seiner Brust: Da war zum Einen die Freude über die ersten drei Punkte der Saison, und zum Anderen der Terror, den der Coach angesichts der Leistung seiner Spieler empfand. Es war eins dieser Spiele, die einen Trainer vermutlich ein paar Jahre seines Lebens kosten (oder ihm zumindest ein paar graue Haare bescheren), weil es am Ende nicht nur richtig spannend, sondern auch verdammt knapp wurde.

 

Es wurde nicht einmal richtig hell an diesem Sonntagmittag, Wolken und Nieselregen drückten auf die Hansestadt. Ein Wetter, um zuhause vor dem Kamin zu bleiben und ein gutes Buch zu lesen. Doch die Kreisklasse ist nichts für Feingeister, und so gab es auch diesmal wieder ein von Kampf, Krampf und Chaos geprägtes Spiel.

 

Die Sterne legen gut los, erspielen sich ein Übergewicht. Schnell wird deutlich, was heute das Mittel der Wahl ist: Lange Bälle, auf den schnellen Sven im Sturm, vornehmlich gespielt von seinem Nebenmann Mahdy, der sich im Verlauf des Spiels immer weiter zurückzog, um diese Aufgabe besser erfüllen zu können. DJK dagegen versucht es spielerisch, mal mit Steilpässen über die Außen, mal mit Kombinationen durch die Mitte.

 

Die besseren Chancen der ersten Halbzeit haben die Gäste, die ja eigentlich gar keine sind, weil  sie genau wie der RSL als "Heimatlose" ihre Heimspiele am Hansering austragen. Das 1:0 aber machen die Sterne, weil Sven einen sehenswerten Schuss aus 20 Metern abgibt, den der gegnerische Torwart nur abklatschen kann – Jahnes staubt aus spitzem Winkel ab.

 

In der Halbzeit ist Trainer Reiß unzufrieden: Zu wenig gelingt seinen Spielern, zu chaotisch sind die aus Zufallsprodukten und weiten Schlägen vorgetragenen Angriffsversuche, die auch noch meist in Abseitspfiffen enden. Und gleich nach Wiederanpfiff dann fast der Ausgleich, als sich der Rechtsaußen von DJK durchsetzt und aus spitzem Winkel abschließt. Es folgen weitere Hochkaräter, die aber alle vergeben oder von RSL-Keeper Mirko entschärft werden.

 

Und wie es der Fußball so will, trifft der Rote Stern zum 2:0. Mahdy behauptet den Ball in der gegnerischen Hälfte und hat Glück, dass der Gästekeeper den Ball beim Rauslaufen durchflutschen lässt. Abgestaubt und eingenetzt - und nebenbei den Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

 

Doch DJK lässt sich nicht hängen. Die Sterne-Abwehr hat richtig viel zu tun, steht unter Dauerdruck. Der Anschlusstreffer fällt dann etwa in der 75. Minute, als sich ein Gästespieler über links durchsetzt und sehenswert aus spitzem Winkel trifft. Absicht oder Glück - das ist an diesem Tag nun wirklich egal. Jedenfalls schwebt nun der Ausgleich in der Luft, und Chancen dazu gibt es weiterhin.

 

Besonders gefährlich sind die vom Spielertrainer ausgeführten Standardsituationen, bei denen die "Abseitsfalle" der Sterne (alle auf die 16-Meter-Linie und dann rauslaufen, wenn der Schuss kommt) ein ums andere Mal für brenzlige Situationen sorgt. Und als der Ball nach genau so einem Freistoß im Netz zappelt, etwa in der 85. Minute – dann ist es doch Abseits. In der eh schon aufgeladenen Atmosphäre können sich einige Gästespieler kaum noch einkriegen. Spät kam der Pfiff vom grundsätzlich sehr souverän agierenden Schiri, und da es keine Linienrichter in der Kreisklasse C gibt, sind Abseitsentscheidungen ja eh immer so eine Sache.

 

Viel tut sich dann aber nicht mehr. Es gibt eine lange Nachspielzeit, noch ein paar Chancen für DJK - und eine gelb-rote Karte, vermutlich wegen Meckerns. Die Sterne feiern halbherzig den so sehnlich erwarteten ersten Dreier - aber den meisten dürfte es wie ihrem Trainer gehen. Und wenn man ehrlich ist, dann sollte sich von den zwei Seelen die Freude lieber bescheiden verhalten und still für sich im Kämmerlein eine Privatparty ohne Schokokuchen abhalten. Immerhin: Der Sieg wurde erkämpft. Aber er war sehr schmeichelhaft.

 

In der Tabelle der Kreisklasse C klettert der Rote Stern II weiter nach oben und ist jetzt mit fünf Punkten Elfter. DJK dagegen rutscht einen Platz auf Rang zwölf ab. Am kommenden Wochenende geht es für DJK zuhause gegen den Tabellenletzten aus Kücknitz, das heute mit einem 2:2 gegen 1876 den zweiten Punkt in dieser Saison holen konnte (Anpfiff um 10 Uhr am Hansering). Die Roten Sterne fahren zum Tabellenfünften aus Schlutup (heute spielfrei). Das Spiel ist für 11 Uhr auf dem Kunstrasenplatz am Palinger Weg angesetzt.

 

Aufstellung Roter Stern Lübeck II:

Mirko - Gato (c), Finn, Marius, Kilian - Jahnes, Christian, David, Flo - Mahdy, Sven

Eingewechselt: Nico, Daniel, Adrian

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